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Redaktion/PM, 16.01.2012

NRW: Sprachstandfeststellung auf den Prüfstand

Deutliche Kritik übte Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) NRW, am Sprachtest Delfin 5. Der Test sei eine momentane nicht immer aussagekräftige Bestandsaufnahme und keine Langzeitbeobachtung über die wirkliche Sprachkompetenz eines Kindes.

Delfin 5: "zufällige Bestandsaufnahme"

Mit dem Verfahren Delfin 5 sollen in Nordrhein-Westfalen ein Jahr vor der Einschulung Kinder ermittelt werden, die die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "KiTa aktuell NRW" setzt sich Dr. Rudolf Nottebaum, ehemaliger Leiter der Clara-Fey-Schule für Sozialpädagogik in Aachen, detailliert mit dem Aufbau und der Durchführung auseinander. Er kommt zu dem Ergebnis, dass das Verfahren eben nicht "kindgemäß" und "praxistauglich" sei, sondern: "Das Testresultat ist nur eine zufällige Bestandsaufnahme der momentanen Realisierung von Sprache, d.h. der Sprachperformanz des Kindes, bei der die verschiedensten Einflussfaktoren zu Gunsten des reinen technokratisch empirischen Tests ausgeblendet sind." Der Test sei deshalb "ein Risiko für die Kinder".


Delfin 4: pädagogisch und wirtschaftlich fragwürdig

Der VBE schließt sich dieser Kritik an. So stehe das Kind beispielsweise unter erheblichem Zeitdruck, erklärte Beckmann. Für das Beantworten von 80 Aufgaben zu den Bereichen Wortschatz, Phonembewusstsein (Laute) und Morphosyntax (Formen- und Satzlehre) sowie dem anschließenden Erfinden einer Geschichte zu vorgegebenen Bildern haben die Kinder nur 35 Minuten Zeit. Der VBE unterstütze zwar das Anliegen der Landesregierung, die Sprachentwicklung eines Kindes frühzeitig festzustellen und individuell zu fördern. Doch mithilfe des Sprachstandfeststellungsverfahren könne dies nicht gelingen, so Beckmann. Bereits die 2007 vom VBE durchgeführte Fragebogenaktion zur Sprachstandfeststellung Delfin 4, an die das Verfahren Delfin 5 angelehnt ist, habe gezeigt, dass das Verfahren sowohl aus pädagogischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht fragwürdig ist.

Ganzheitliches Sprachförderkonzept

Der VBE fordert deshalb, ein ganzheitliches Sprachförderkonzept zu entwickeln und dies verbindlich in den Bildungsauftrag der KITAs aufzunehmen. "Dazu gehört, dass genügend pädagogisches Personal zur Verfügung gestellt und qualifiziert wird, damit durch permanente sinnvolle Sprachanlässe im Rahmen der täglichen Begegnungen eine kontinuierliche individuelle Sprachförderung für jedes Kind gewährleistet werden kann", betont Beckmann. Die von Experten aufgezeigten Mängel müssten ernst genommen, geprüft und, soweit erforderlich, umgehend abgestellt werden.

 
 
 
 

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