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Redaktion/PM, 22.11.2011

Braunes Gedankengut in Kitas

Die unfassbare Mordserie der Neonazi-Zelle hat das Thema Rechtsextremismus wieder ganz nach oben gespült. Doch nicht nur die Gewaltbereitschaft ist besorgniserregend: Längst versuchen Rechtsextreme, Einfluss sogar in Kitas zu nehmen.

Kindern, die von Kampf und Blut singen

Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern sind Neonazis in Kindergärten und Schulen auf dem Vormarsch, wie jüngst die Wochenzeitung "Die Zeit" in dem Artikel "Bullerbü in braun" berichtete. Inzwischen sei ein regelrechter Kampf zwischen der demokratischen, aber oft zögerlichen oder verängstigten Mehrheit und einer "völkischen" bis offen rechtsextremen Minderheit entbrannt – um Kitas, Schulen, Jugendklubs, Sportvereine und Musikfestivals. In Schulen und Kitas stünden Eltern und pädagogische Fachkräfte oft völlig hilflos vor Kindern, die von Kampf und Blut singen. Kinder die auch im Winter kurze Hosen tragen, weil das abhärtet, die von "Gemüsetorte" statt von "Pizza" reden und später mal werden wollen, was das Vaterland verlangt.

Versuch, die gesellschaftliche Mitte zu umarmen

Einschlägig engagierte Eltern bieten völkische Näh-, Koch- und Tanzkurse an. NPD-Funktionäre lassen sich in die Elternbeiräte wählen. Oder sie versuchen, wie NPD-Mitglied Mattias Schubert in Bartow im Kreis Demmin, gleich die Leitung einer Krippe zu übernehmen. Indem Kitas, Schulen und letztlich Kinder gekapert werden, versuchen Neonazis, die gesellschaftliche Mitte zu umarmen, warnt die "Zeit".

Umgang mit rechtsextremen Eltern

Auch die "Amadeu Antonio Stiftung" warnt davor, dass Kinder ein attraktiver Anknüpfungspunkt für Rechtsextreme sind, um in die Gesellschaft zu wirken. Das Projekt "Lola für Lulu" der Stiftung arbeitet mit Kitas und Grundschulen zu diesem Thema. In der Praxis sei vor allem der Umgang mit rechtsextremen Eltern das dringlichste Problem, berichtet Projektleiterin Anne-Rose Wergin. Es seien zwar Einzelfälle, "die aber vor Ort eine große Dramatik entwickeln können." Grundsätzlich rät sie zu Transparenz und Offenheit: "Über rechtsextreme Eltern nicht zu reden, mag auf den ersten Blick leichter erscheinen. Aber die anderen Eltern in einer Kita haben auch ein Recht zu erfahren, bei wem ihr Kind zu Hause spielen geht oder welche Interessen jemand vertritt, wenn er sich in den Elternrat wählen lässt", sagt Wergin. Wichtig sei, dass Eltern, Kommunen und Träger sensibel seien und erkennen, wenn etwas schiefläuft.

 
 
 
 

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