Redaktion/PM, 01.09.2011
Zu wenig Nachmittagsbetreuung an Grundschulen
Bei der Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern gibt es erheblichen Nachholbedarf. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), an der sich fast 5.000 Schulen beteiligt haben.

Jede siebte Grundschule hat keine Nachmittagsbetreuung
Wer Familie und Beruf unter einen Hut bringen muss, für den ist eine verlässliche Kinderbetreuung das A und O – und zwar nicht nur bis zur Einschulung. Und hier hat der "Grundschulcheck" nach den nach Worten von Hans Heinrich Driftmann, DIHK-Präsident, "einen großen Nachholbedarf" aufgedeckt. Jede siebte Grundschule bietet derzeit keine Nachmittagsbetreuung an. Dabei gibt es im Osten und Westen erhebliche Unterschiede: So gut wie alle der an der Erhebung beteiligten ostdeutschen Schulen bieten Nachmittagsbetreuung an, hingegen 15 Prozent der westdeutschen Schulen gar keine.
Kaum Ausbau geplant
Von den Grundschulen, die bundesweit ein Nachmittagsangebot haben, betreuen nur sechs Prozent die Kinder auch noch nach 17 Uhr. Ein Fünftel schließt bereits spätestens um 15 Uhr. Gerade diese zu kurzen Öffnungszeiten stellen berufstätige Eltern vor große Herausforderungen. Entsprechend registriert ein gutes Viertel der Grundschulen (26 Prozent) einen höheren Bedarf nach längeren Öffnungszeiten und sogar ein Drittel nach mehr Betreuungsplätzen. Trotzdem gibt fast die Hälfte dieser Grundschulen (48 Prozent) an, keinen Ausbau des Angebots zu planen. Die DIHK vermutet, dass das an fehlenden Ressourcen liegt.
In 74 Prozent der Fälle wird die Nachmittagsbetreuung durch qualifizierte Kräfte angeboten. Außerdem geben 79 Prozent der Grundschulen an, regelmäßige Hausaufgabenbetreuung und 75 Prozent ein warmes Mittagessen anzubieten.
Unzureichende Ferienbetreuung
Ein anderer kritischer Punkt sind die Schulferien, die mit zwölf Wochen im Jahr deutlich länger als die Kitaferien sind. Doch nur 22 Prozent der Grundschulen organisieren der Umfrage zufolge eine Betreuung für die gesamte Ferienzeit – ein großes Problem für berufstätige Eltern, die durchschnittlich nur sechs Wochen Urlaub haben. Immerhin 54 Prozent der Grundschulen bieten den Eltern allerdings eine individuelle Auswahl und Abrechnung der Tage, an denen sie Nachmittagsbetreuung wünschen.
Hortbetreuung nicht gegen U3-Ausbau ausspielen
Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Beschäftigte mit Kindern im Grundschulalter zu verbessern, fordert der DIHK eine Ausweitung der Nachmittagsbetreuung an Grundschulen – vor allem im Westen. Zudem sollte es auch nach 17 Uhr Betreuungsangebote geben. Auch während der Schulferien müsse der Betreuungsbedarf abgedeckt werden. Der DIHK betont dabei aber, dass eine bessere Betreuung von Grundschulkindern "nicht gegen den forcierten Ausbau der Betreuungsstruktur für unter 3-Jährige ausgespielt werden darf." Andernfalls käme es nur zu einer Verschiebung, nicht aber zu einer Lösung des Problems.
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