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Redaktion/PM, 05.01.2010

Migrantenkinder besuchen zu selten Kita

Kleinkinder mit Migrationshintergrund besuchen in Westdeutschland noch zu selten eine Kinderbetreuungseinrichtung. Das zeigen Ergebnisse des Ländermonitors Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung.

Enorme Unterschiede zwischen Ländern

Während bundesweit 93 Prozent der drei- bis sechsjährigen einheimischen Kinder in eine Kinderbetreuungseinrichtung gehen, tun dies nur 84 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund in dieser Altersgruppe. Dabei gibt es enorme Unterschiede zwischen den westdeutschen Bundesländern: Im Spitzenreiter Baden-Württemberg besuchen 94 Prozent eine Betreuungseinrichtung, im Schlusslicht Schleswig-Holstein lediglich 60 Prozent. Auch im Saarland (91 Prozent), in Rheinland-Pfalz (89 Prozent), Nordrhein-Westfalen (88 Prozent) und Hessen (86 Prozent) besuchen relativ viele Kleinkinder mit Migrationshintergrund eine Kindertageseinrichtung. Größeren Nachholbedarf bei der frühkindlichen Bildung und Betreuung sieht die Bertelsmann Stiftung wegen geringerer Beteiligungsquoten in Berlin (80 Prozent), Niedersachsen (76 Prozent), Bayern und Bremen (jeweils 75 Prozent) sowie in Hamburg (72 Prozent).

Oft nur ein Jahr Kita

In Schleswig-Holstein öffnet sich die Schere beim Besuch von Kindertageseinrichtungen besonders weit: Während hier 91 Prozent der drei- bis sechsjährigen ohne Migrationshintergrund eine Kita besuchen, sind es nur 60 Prozent der Kinder mit Migrationsgeschichte. Ähnlich auffällige Unterschiede gibt es in Bayern (95 zu 75 Prozent), Bremen (96 zu 75 Prozent) und Berlin (100 zu 80 Prozent). Die niedrigeren Beteiligungsquoten weisen aus Sicht der Bertelsmann Stiftung darauf hin, dass Kinder mit Migrationshintergrund häufiger nicht oder erst im letzten Jahr vor der Einschulung eine Kindertageseinrichtung besuchen.
In den ostdeutschen Bundesländern ist die Differenz vermutlich deutlich größer, doch aufgrund des insgesamt sehr geringen Anteils an Kindern mit Migrationshintergrund in diesen Ländern, ist das Datenmaterial nicht repräsentativ.

Barrieren abbauen

"Wir müssen die Barrieren abbauen, die Kinder aus Zuwandererfamilien heute vom Besuch einer Kindertageseinrichtung fern halten. Sonst verschenken wir die Chance, dass auch diese Kinder durch einen mehrjährigen Kita-Besuch gefördert werden und hierbei ihre Sprachkenntnisse in Deutsch deutlich ausbauen können", sagte Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Das geplante Betreuungsgeld sei deshalb der völlig falsche Anreiz. Eine andere Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung hatte gezeigt, dass die Zahlung eines Betreuungsgeldes oft dazu führt, dass gerade Kinder aus Zuwandererfamilien zu Hause bleiben. Dräger betonte, dass es vielmehr Aufgabe der Politik sei, die Weichen dafür zu stellen, dass mehr Kinder mit Migrationshintergrund eine Betreuungseinrichtung besuchen, um so Chancengerechtigkeit herzustellen.

 
 
 
 

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