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Redaktion/PM, 26.02.2010

"Wir brauchen einen Pakt für Kinder"

Dr. Ilse Wehrmann, freie Beraterin im Bereich frühkindliche Bildung, fordert von Bund und Ländern einheitliche Standards und die Verständigung auf einen einheitlichen Bildungsplan.

Bildungspläne ohne Widerhall in der Praxis

In den letzten Jahren standen Kindergärten im Mittelpunkt der bildungspolitischen Diskussion. Bundesweit wurde nicht nur die Ausbildung im Elementarbereich mit Studiengängen zur Frühkindlichen Bildung verbessert, die Bundesländer entwickelten zudem Bildungs- und Erziehungspläne. Doch mittlerweile ist die Entwicklung ins Stocken geraten. Bundesweit fehle es den Einrichtungen nach wie vor sowohl an Maßnahmen zur Fort- und Weiterbildung wie auch an den Möglichkeiten, die Bildungspläne umzusetzen, bemängelte Dr. Ilse Wehrmann. Die Sozial-Pädagogin weiß wovon sie spricht: Bis 2007 war sie als Geschäftsführerin des Landesverbandes Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder in Bremen tätig und berät nun unter anderem die Daimler AG beim Aufbau von betriebsnahen Kinderkrippen: "Wenn also die Rahmenbedingungen nicht an die Anforderungen der Bildungspläne angepasst werden, dann verschwinden die Pläne alle wieder in den Schubladen", warnte sie.

Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen gefordert

Um langfristig die Ziele zur Kinderbetreuung umsetzen zu können, müssten allerdings Bund, Länder und Kommunen deutlich enger zusammen arbeiten, so Wehrmann weiter. Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr ein Betreuungsangebot für bundesweit 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren bis zum Jahre 2013 anvisiert. Momentan investiere der Bund allerdings eher in individuelle Leistungen, wie das Kindergeld oder die "Herdprämie", anstatt in die Infrastruktur: "Wir finanzieren Nichtbildung und belohnen Leute, wenn sie ihr Kind nicht in eine Bildungseinrichtung schicken", sagte Wehrmann, "obwohl PISA und viele andere Studien deutlich belegen, dass wir einen falschen Weg gehen, indem wir immer wieder auf diese individuellen Leistungszuwendungen setzen". Die Praxis dagegen kämpfe täglich aufgrund der Finanzlage der Kommunen mit immer schlechteren Rahmenbedingungen. Wehrmann schlägt deshalb einen Pakt für Kinder vor: "Vielleicht auch einen Staatsvertrag, wo Bund, Länder und Kommunen sich auf einheitliche Standards und auf einen einheitlichen Bildungsplan mit einer einheitlichen Philosophie verständigen. Und vor allem auch mit einer Qualitätskontrolle."

Frühkindliche Bildung zur Chefsache machen

Da allein ein Staatsvertrag für Kinder das Problem angesichts leerer Kassen in den Kommunen nicht löse, müsse das Thema frühkindliche Bildung endlich Chefsache werden, so Wehrmann weiter. "Und es muss auch Chefinnensache der Kanzlerin werden, wenn wir nicht an dieser Stelle weiter im Mittelmaß dahinplätschern wollen". Sie schlägt ein vom Bund finanziertes Gutscheinsystem vor - rund 1000 Euro pro Platz und Monat.

 
 
 
 

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