Redaktion/PM, 23.01.2012
Wie Sprachförderung gelingen kann
An Sprachförderprogrammen herrscht kein Mangel. Dennoch weist jedes zweite bis dritte Kind mit Migrationshintergrund, aber auch jedes zehnte Kind mit deutscher Muttersprache, Sprachdefizite auf. Das Berlin Institut hat anhand von Sprachprogramme neun Kriterien für eine erfolgreiche Sprachförderung aufgestellt.

Analyse von Praxismodellen
Welche Ansätze zur Sprachförderung gibt es und wie geeignet sind sie? Um diese Frage zu beantworten, hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung demografische Daten, die gängige Praxis zur Sprachstandserhebung und sprachwissenschaftliche Ansätzen zum frühkindlichen Spracherwerb analysiert. Dabei wurde vor allem die Situation von Kindern bildungsferner Schichten und von Kindern mit Migrationshintergrund näher betrachtet. Als Ergebnis stellt das Discussion Paper "Dem Nachwuchs eine Sprache geben – was frühkindliche Sprachförderung leisten kann" neun Kriterien auf, die für eine gelungene Sprachförderung von zentraler Bedeutung sind.
Fehlendes "Sprachbad"
Wesentlicher Grund für die Sprachdefizite dieser Kinder sei, so das Autoren-Team Tanja Kiziak, Vera Kreuter und Reiner Klingholz, dass ihnen ein "Sprachbad" fehle. Gemeint ist damit der alltägliche Umgang mit Sprache, der für einen mühelosen Erwerb des Deutschen nötig wäre. So geht ein Drittel der nicht-deutschsprachigen Kinder in eine Kita, in der die Mehrheit der anderen Kinder ebenfalls nicht mit Deutsch als Muttersprache aufwächst. Deshalb sei es nötig, dass das Personal in den Kindergärten für das Thema sensibilisiert und darin geschult werde, wie Sprachkompetenz gefördert werden kann. "Die Förderung ist oft zu kurz und die Kursleiter sind nicht ausreichend auf ihre Aufgabe vorbereitet", erklärt Tanja Kiziak. Zudem könnten einzelne Sprachkurse die Sprachförderung im Alltag nicht ersetzen, sondern bestenfalls ergänzen.
Kriterien für Sprachförderung
Als wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sprachförderung nennt das Discussion Paper unter anderem: Den systematischen Einbezug der Erstsprache des Kindes, die kontinuierliche Schärfung des Sprachbewusstseins der Erzieherinnen und Erzieher, die individuelle Förderung der Kinder entsprechend ihres Sprachentwicklungsstandes und dem Spracherwerb Zeit zu geben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen sich auch für strukturelle Veränderungen in der frühkindlichen Betreuung aus: Eine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr sowie ein kostenfreies erstes Kindergartenjahr für dreijährige Kinder sei hilfreich, damit die Sprachförderung in der Kita möglichst viele Kinder möglichst früh erreicht. Denn Kleinkinder seien von Natur aus die besten Sprachlerner, die es gibt. Um die sprachliche Durchmischung in den Kita-Gruppen zu verbessern, regt das Autorenteam an, Herkunftsquoten festzulegen.
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