Redaktion, 20.09.2011
Bildungsberufe im Wandel - Dokumentation
Welche Veränderungen gibt es für die Berufe im elementarpädagogischen Bereich? Welche Auswirkungen haben diese auf die Ausbildung von Kita-Fachkräften? Und wie geht man mit diesen neuen Herausforderungen um? Diese und weitere Fragen wurden auf der Fachtagung erörtert, die BIBER in Kooperation mit der Deutsche Telekom Stiftung und der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" am 14. September in Bonn veranstaltete.
Das Berufsbild der Erzieherin und des Erziehers unterliegt einem rasanten Wandel. Seit Jahren wird von Expertinnen und Experten auf den Reformbedarf der Erzieherausbildung hingewiesen. Unter dem Stichwort "Professionalisierung" entstehen derzeit diverse strukturelle Veränderungen - sowohl in der Ausbildung an den Fachschulen als auch hinsichtlich der Etablierung einer Vielzahl von Studiengängen zur Früh- und Elementarpädagogik im universitären Bereich. Aber sind die Ausbildungsstätten ausreichend in die aktuelle Diskussion um den Bildungsauftrag der Kita und über die Qualität der pädagogischen Praxis einbezogen? Welchen Stellenwert haben in diesem Kontext die Kompetenzbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (kurz: MINT) und die Medienbildungsarbeit? Diese und weitere Themen wurden unter Leitung und Moderation zahlreicher Referentinnen und Referenten auf der Fachtagung erörtert.
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| Auftakt der Veranstaltung: Der Wissenschaftsjournalist Armin Himmelrath begrüßt die Gäste |
Grußworte
Kornelia Haugg, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Die Abteilungsleiterin "Berufliche Bildung und Lebenslanges Lernen" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung begrüßte die Teilnehmenden und bezeichnete die Tagung als Forum für neue und kreative Ideen. Sie betonte, dass Bildungsangebote bereits zum frühestmöglichen Zeitpunkt auf den künftig absehbaren Bedarf an Fachkräften zielen sollten. In zwei Thesen rückte sie zum einen die frühe MINT- und zum anderen die frühe Medienbildung besonders ins Blickfeld. Den MINT-Kompetenzen komme für die wirtschaftliche und technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands eine besondere Bedeutung zu. Es gehe in erster Linie darum, die Neugier an naturwissenschaftlichen Phänomenen von Kindern in ihrer Bildungskarriere aufrecht zu erhalten und dabei auch besonders Mädchen in den Blick zu nehmen. In ihrer zweiten These hob sie die Chancen des Einsatzes digitaler Medien in Bildungsangeboten hervor. Diese erhöhten deren Wirkungsgrad. Auch Kinder müssten früh an den Umgang mit Medien herangeführt werden, genauso auch Erzieherinnen und Erzieher. Es würden deshalb aktuell 30.000 pädagogische Fachkräfte im Rahmen der von Schulen ans Netz e. V. konzipierten und vom Bundesministerium geförderten Medienqualifizierung für Erzieherinnen und Erzieher fortgebildet.
Dr. Beate Scheffler, Ministerialdirigentin Nordhrein-Westfalen
Die Vorsitzende des Unterausschusses für berufliche Bildung der Kultusministerkonferenz (KMK) und Ministerialdirigentin Nordrhein-Westfalens sprach in ihrem Vortrag über den Orientierungsrahmen der KMK für die Ausbildung von Kita-Fachkräften. Er solle die Professionalisierung des Berufsfeldes voranbringen, so Frau Dr. Scheffler. Die Ausbildung pädagogischer Fachkräfte solle einheitlicher und die Durchlässigkeit zwischen den Ausbildungsgängen größer werden. Die KMK und die Jugend- und Familienministerkonferenz (JMFK) habe sich auf einen gemeinsamen Orientierungsrahmen geeinigt, der Anforderungen an pädagogische Fachkräfte für Kinder von null bis zehn Jahren bundesweit festlegt. Außerdem soll er die Anerkennung von Leistungen der verschiedenen Ausbildungswege gewährleisten. Die Vereinbarung lasse den Ländern weiterhin viel Gestaltungsspielraum, betonte Scheffler. Auch gehe es nicht darum die Fachschulen und die Hochschulen gegeneinander auszuspielen oder die Ausbildungsgänge zu vereinheitlichen: "Wir brauchen beide Schienen."
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| Dr. Peter Rösner, Thomas Schmitt, Eckhard Zirkmann (oben, v. l. n. r.), Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, Kornelia Haugg, Dr. Beate Scheffler, Maria Brosch (unten, v. l. n. r.) |
Impulsvortrag
Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta Verbands und wissenschaftlicher Leiter des Projektes "Natur-Wissen schaffen" der Deutsche Telekom Stiftung
In seinem Vortrag "Innovative Modelle in der Ausbildung von Kita-Fachkräften – Kompetenzmodell der Professionalisierung" sprach Professor Fthenakis zunächst die problematische Ausgangslage in Deutschland an. Die Bildungssysteme des 20. Jahrhunderts seien nicht mehr geeignet, den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden. Das auf Wissensvermittlung ausgerichtete System müsse im Sinne der Ko-Konstruktion zu Gunsten der Kompetenzentwicklung radikal verändert werden. Diese Veränderung müsse bereits in der Ausbildung angehender pädagogischer Fachkräfte beginnen. Die Studierenden könnten erst dann Kompetenzen der Kinder fördern, wenn sie sich selbst in ihrer Ausbildung mit der Entwicklung ihrer Basiskompetenzen und ihrer Persönlichkeit auseinandersetzen könnten. Dementsprechend müsse auch die Ausbildung ko-konstruktiv gestaltet sein. Weiterhin plädierte Fthenakis dafür, bei der Veränderung der Ausbildung weniger stark die Institutionen in den Blick zu nehmen, sondern die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Die Bildungssysteme seien bisher nicht primär für sie entwickelt worden, dies müsse sich ändern. Wichtig sei, dass die veränderte Philosophie alle Ausbildungsstätten erreiche. "Es gibt wunderbare Initiativen, aber wir können die Probleme des Landes nicht mit Orchideen lösen! Wir brauchen ein hochqualitatives kohärentes Ausbildungskonzept für alle Fachschulen", so Professor Fthenakis.
Vortrag anhören
Den Vortrag von Professor Fthenakis können Sie sich hier in voller Länge anhören (circa 59 Minuten).
Workshops
Die nachfolgenden Seiten geben Ihnen Einblicke in die Inhalte der einzelnen Workshops. Alle Teilnehmenden hatten die Gelegenheit zum regen Austausch. Klicken Sie auf den entsprechenden Link.
Podiumsgespräch
In einem abschließenden Podiumsgespräch, moderiert von Armin Himmelrath, diskutierten folgende Expertinnen und Experten zum Thema "Herausforderung zukunftsgewandte Ausbildung - Schwierigkeiten und Chancen für Fach- und Hochschulen":
 | Maria Brosch, Geschäftsführender Vorstand Schulen ans Netz. e. V. |
 | Michael Kremer, Studiendirektor Käthe-Kollwitz-Schule Berufskolleg der StädteRegion Aachen |
 | Prof. Dr. Norbert Neuß, Professor für Pädagogik und Didaktik des Elementarbereichs und der Frühen Kindheit an der Justus-Liebig-Universität Gießen |
 | Dr. Peter Rösner, Geschäftsführer Haus der kleinen Forscher |
 | Franziska Sauermann, Leiterin des Städtischen Kindergartens Wilfried-Hatzfeld-Straße in Bonn |
 | Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer Deutsche Telekom Stiftung |
Diskussionsschwerpunkte
Frau Brosch begrüßte zunächst den gemeinsamen Qualifizierungsrahmen der Kultusministerkonferenz als "Schritt in die richtige Richtung". Weitere Schwerpunkte der Diskussion waren unter anderem der sich akut verstärkende Fachkräftemangel in der Frühpädagogik bei gleichzeitig geringen Ausbildungsplatzkapazitäten, das Problem der drohenden Deprofessionalisierung des Berufsstandes sowie die daraus resultierende Forderung, unverzüglich verstärkt in die Ausbildung zu investieren. Dies muss, wie auf der Tagung deutlich wurde, besonders die MINT-Kompetenzen und Medienbildung mit einbeziehen.
Moderation
Die Moderation der Veranstaltung übernahm der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist Armin Himmelrath, der unter anderem für das Deutschlandradio, den WDR und SpiegelOnline tätig ist.
Und Ihre Meinung?
 | Mitdiskutieren im BIBER-Forum Egal, ob Sie die Tagung besucht haben oder nicht, ob Sie in der pädagogischen Praxis, Wissenschaft, Politik oder der Aus- und Weiterbildung arbeiten - wir freuen uns darauf, die Diskussion mit Ihnen im BIBER-Forum "Aus- und Weiterbildung" fortzuführen. Zum Mitdiskutieren müssen Sie sich auf bibernetz.de anmelden. |