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Redaktion/PM, 07.12.2009

Frühe Bildung fördert Chancengerechtigkeit

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung sieht im geplanten Betreuungsgeld ein falsches Signal für sozial benachteiligte Familien.

Bessere Chancen auf höheren Schulabschluss

Der Besuch einer Kinderkrippe für Kinder unter drei Jahren hat einen positiven Einfluss auf die Bildungsbiographie, zeigt die Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. So erhöht sich beipielsweise die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, um 40 Prozent. Noch größer ist der Effekt bei Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen oder Zuwandererfamilien: Hier steigt die Wahrscheinlichkeit, das Gymnasium zu besuchen, um 55 Prozent. Am stärksten profitieren Kinder, deren Eltern höchstens einen Hauptschulabschluss haben: Ihre Chance, ein Gymnasium zu besuchen, verdoppelt sich annähernd, wenn sie in ihren ersten Lebensjahren eine Krippe besucht haben.
Zugleich belegen Studien aus Norwegen, dass das Erziehungsgeld dort vor allem von Müttern mit niedrigem Bildungsniveau und geringem Einkommen und von Familien mit Migrationshintergrund in Anspruch genommen wird. In Norwegen wurde 1998 ein Betreuungsgeld eingeführt. Für Deutschland plant die Bundesregierung ähnliches: Ab 2013 sollen Familien, die ihre Kinder nicht in eine Kindertageseinrichtung schicken, monatlich 150 Euro erhalten.

Bildungspolitischer Schildbürgerstreich

"Die Ergebnisse zeigen, dass das geplante Betreuungsgeld die falschen politischen Weichen stellt", sagt Dr. Jörg Dräger, für Bildung zuständiges Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Es schaffe gerade für sozial schwache Familien den Anreiz, ihre Kinder nicht in die Krippe zu bringen. "Bildungspolitisch ist das ein Schildbürgerstreich", so Dräger. Zugleich kritisiert er die hohen Kosten des Betreuungsgeldes, die auf jährlich 1,2 Milliarden Euro geschätzt werden: "Hier wird Geld mit der Gießkanne an die Elternhäuser verteilt, das für einen ziel- und bedarfsgerechten Ausbau von Kindertageseinrichtungen und die Verbesserung der Qualität dringend benötigt wird."

Effekt des Krippenbesuchs

Die vom "Schweizer Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien" (BASS) erstellte Studie untersucht die Bedeutung früher Bildung für den weiteren Bildungsweg von Kindern. Ausgangspunkt ist dabei die Frage, welchen Effekt der Krippenbesuch auf den Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule in der Sekundarstufe I (Hauptschule, Realschule oder Gymnasium) hat. Grundlage der Studie sind Daten des Sozioökonomischen Panels über die Geburtsjahrgänge der von 1990 bis 1995 in Deutschland geborenen Kinder.

 
 
 
 

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