Redaktion/PM, 09.01.2012
didacta-Thema: Gesunder Erzieherinnenalltag?
Ausgewogene Ernährung, TÜV-geprüfte Spielgeräte, viel Bewegungsdrang. Die Gesundheit von Kindern ist ein selbstverständliches Thema in Kitas – weniger dagegen die Gesundheit der Erzieherinnen und Erzieher. Sie ist unter anderem Thema auf der Bildungsmesse didacta im Februar in Hannover.

Alarmierender Befund
Eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes zeigt: Den meisten Erzieherinnen macht ihre Arbeit Spaß, weil sie sich mit ihrem Beruf identifizieren. Aber sie sind auch großen Belastungen ausgesetzt und nur 26 Prozent der Kita-Beschäftigten können sich vorstellen, gesund das Rentenalter zu erreichen. "Ein alarmierender Hinweis darauf, dass wir in dem Bereich Erzieherinnengesundheit eindeutig einen Nachholbedarf haben", betont Norbert Hocke, Vorstandsmitglied der GEW, im Interview des didacta-Themendienstes. Auf der Bildungsmesse didacta, die vom 14. bis 17 Februar in Hannover stattfindet, referiert Hocke am 14. Februar zum Themenschwerpunkt "Gesundheit und Persönlichkeit von Erzieherinnen" der Kita-Seminare.
Ungesunde Arbeitsbedingungen
| didacta 2012 |
|---|
14. bis 17. Februar Hannover, Messegelände |
Für die außergewöhnlichen Belastungen seien – neben den unterschiedlichen Anforderungen von Eltern, Kindern und Dienststellenleitung, die auf Erzieherinnen und Erzieher einwirken – vor allem die Arbeitsbedingungen verantwortlich, so Hocke. Konkret nannte er zu große Gruppen, kaum Rückzugsmöglichkeiten wie beispielsweise einen Personalraum, für erwachsenen ungeeignetes Mobiliar und das ständige Heben. Zudem stecken sich Menschen, die mit Kindern arbeiten, häufiger mit Infektionskrankheiten an, als dies in anderen Berufen der Fall ist.
Personalschlüssel und Gruppengröße verbessern
Zwar wurde 2009 der Tarifvertrag "Betriebliche Gesundheitsförderung im sozialen und Erziehungsdienst" abgeschlossen. "Wir müssen aber leider feststellen, dass die individuellen Rechtsansprüche für die öffentlich Beschäftigten in den Kitas längst nicht alle eingehalten werden", so Hocke. Nach wie vor seien Pausenräume kein Standard. Dort, wo sie vorhanden sind, könnten Pausen nicht so genommen werden, dass sie ohne Kinder und ohne Eltern stattfinden. Es sei schlichtweg nicht genügend Personal da, "damit sich die eine Hälfte zurückziehen und die Pause nehmen kann, während sich die anderen Kolleginnen um die Kinder kümmern", so Hocke. Bei der nächsten Tarifrunde 2014/15 müsse deshalb insbesondere der Personalschlüssel und die Gruppengröße thematisiert werden.
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