Redaktion/PM, 20.01.2012
Schulen für alle Kinder
Für vorbildlichen gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern haben drei Schulen und ein Schulverbund den "Jakob Muth-Preis" erhalten. Damit werden seit 2009 Schulen ausgezeichnet, die alle Kinder gemeinsam nach ihren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen fördern.

Die Preisträger
Den "Jakob Muth-Preis" erhielten im Schuljahr 2011/12 die Regine-Hildebrandt-Gesamtschule im brandenburgischen Birkenwerder, die Gemeinschaftsgrundschule Eitorf in Nordrhein-Westfalen, die Grundschule Langbargheide in Hamburg und das Regionale Integrationskonzept Altenmedingen, Bad Bevensen, Bienenbüttel und Himbergen in Niedersachsen. Für ihren vorbildlichen gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern erhalten die drei Schulen und der Schulverbund jeweils ein Preisgeld von 3.000 sowie 5.000 Euro. Projektträger des zum dritten Mal vergebenen Jakob Muth-Preises sind der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, die Deutsche UNESCO-Kommission, die Sinn-Stiftung und die Bertelsmann Stiftung.
Förderschulen sind Sackgassen
Ein inklusives Schulsystem, wie es die UN-Konvention über die "Rechte von Menschen mit Behinderung" fordert, bedeutet: eine "Schule für alle", in der alle Kinder – unabhängig ob sie eine Behinderung oder besonderen Förderbedarf haben oder nicht – wohnortnah und gemeinsam gemäß ihrer individuellen Bedürfnisse unterrichtet werden. Deutschland ist von diesem Ziel allerdings noch weit entfernt: Von den rund 500.000 Schülerinnen und Schülern, denen sonderpädagogischer Förderbedarf zugesprochen wird – unter ihnen viele Kinder mit Migrationshintergrund – werden rund 80 Prozent an speziellen Förderschulen unterrichtet. Diese erweisen sich häufig als Sackgasse: Drei Viertel der Förderschüler verlassen die Schule Jahr für Jahr ohne Hauptschulabschluss. In vielen europäischen Ländern wie Spanien, Italien oder Schweden ist inklusiver Unterricht hingegen längst Alltag. Unter den deutschen Bundesländern sind Schleswig-Holstein, Bremen und Berlin die Spitzenreiter beim Ausbau inklusiver Bildungsangebote.
Inklusion befördert Bildungsgerechtigkeit
"Inklusion muss als übergreifendes Prinzip im gesamten Bildungsbereich fest verankert werden. Sie ist ein zentrales Anliegen der UNESCO weltweit", so Professor Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission, bei der Preisverleihung. Das erfordere im deutschen Bildungssystem ein entschiedenes Umdenken: "Um Bildungsgerechtigkeit zu verwirklichen, muss unser Bildungssystem alle Kinder nach ihren individuellen Fähigkeiten, Interessen und Problemlagen fördern und fordern. Dafür brauchen wir Vorbilder – wie unsere Preisträgerschulen – die zeigen, wie Inklusion lebendig gestaltet werden kann."
Über den Preis
Mit dem "Jakob Muth-Preis" soll die Praxis von Schulen bekannter gemacht werden, die eine bessere Teilhabe ermöglichen - unabhängig von Herkunft, Beeinträchtigung oder sonstiger Benachteiligung. Der Namensgeber Jakob Muth (1927-93), Professor der Pädagogik an der Universität Bochum, hatte sich schon früh für eine gemeinsame Erziehung behinderter und nicht behinderter Kinder eingesetzt.
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