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Singen: Kraftfutter für Kindergehirne

Musik und Singen ist besser als jede Frühförderung, sagt der Hirnforscher Dr. Gerald Hüther. Er ist Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung an der Psychiatrischen Klinik Göttingen untersucht den Einfluss von Musik auf das Gehirn, speziell auf das von Kindern.

Netzwerke werden aktiviert und verknüpft

"Singen ist Kraftfutter für Kindergehirne und Balsam für ihre Seele. In einer von Effizienzdenken und Reizüberflutung geprägten Welt bedeutet das unbekümmerte Singen eine Sternstunde für die Gehirne von Kindern", sagt Hüther in einem Interview mit der Bertelsmann-Stiftung. Beim Singen, so Neurobiologe, würden gleichzeitig sehr unterschiedliche Netzwerke aktiviert und miteinander verknüpft. Es finden komplexe Rückkopplungen statt zwischen erinnerten Mustern in Form von Melodie, Tempo, Takt und dem zum Singen erforderlichen Ausbau sensomotorischer Muster, also der Wahrnehmung und Korrektur der eigenen Stimme. "Das ist für die Ausbildung von Feinmotorik eine intensivere Übung als zum Beispiel das Schreibenlernen, denn das Hirn muss das Ganze so steuern, dass die Stimmbänder mit Hilfe der motorischen Nerven genau die richtige Spannung bekommen. Singen ist insofern ein ideales Training für Selbststeuerung und Selbstkorrektur", erklärt Hüther.


Begeisterung zählt - nicht Perfektion

Beim gemeinsamen Singen machen Kinder zudem die Erfahrung sozialer Resonanz, ihre Fähigkeit zur Einstimmung auf die anderen wird aktiviert und sie erzeugen gemeinsam etwas Größeres, was sie alleine so nicht hinbekommen: "Durch solche Erfahrungen erhalten Kinder eine emotional positiv besetzte Grundlage für den Erwerb sozialer Kompetenzen wie Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme." Der Wissenschaftler betont, dass es auf keinen Fall um Leistung und Perfektion gehe – im Gegenteil, die positiven Effekte stellten sich nur ein, wenn Begeisterung im Spiel sei: "Vorsingen oder gemeinsames Singen ohne Freude bringt gar nichts. Es geht gerade nicht um vordergründige Effizienz. Es ist das unbekümmerte, absichtslose Singen, das den positivsten Effekt hat." Denn im Hirn würden Netzwerke immer dann besonders gut verankert, wenn uns etwas emotional anspricht. "Kinder konstruieren sich ihr Wissen selbst, sie können bestenfalls angeregt, ermutigt und inspiriert werden", betont Hüther. Man muss Menschen in Bildung und Erziehung Möglichkeiten geben, ihre Potenziale zu entfalten.

 
 
 
 

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