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Redaktion, 10.09.2009

OECD fordert mehr Investition in Bildung

Die OECD verlangt - trotz Krise - von Deutschland mehr Investitionen in Bildung. Entsprechend äußerte sich OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger bei der Vorlage des Bildungsberichts 2009. Obwohl es leichte Verbesserungen gab, liegt Deutschland mit seinem Bildungssystem international weiter zurück.

Zeitpunkt zu handeln

"Wenn Deutschland gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren", sagte die OECD-Direktorin für Bildung, Barbara Ischinger, bei der Präsentation der Studie. "Dies gilt für die Erstqualifikation wie auch für die Weiterbildung." Noch nie machten in Deutschland so viele junge Menschen Abitur wie zurzeit. Und noch nie schrieben sich so viele für ein Studium ein wie im Jahr 2008. Doch zugleich verzichten so viele wie nie zuvor trotz Abitur oder Fachhochschulreife auf ein Hochschulstudium. Die Unsicherheiten über Sinn und Wert einer akademischen Ausbildung sind bei den jungen Menschen groß, wie die jährlichen Abiturientenbefragungen des Hochschul-Informationssystems (HIS) bereits seit drei Jahren belegen.


Paradoxer Trend

Ein Zahlenvergleich von Abiturienten- und Studienanfängerzahl aus den vergangenen fünf Jahren belegt den paradoxen Trend: 2008 verließen fast 20 Prozent mehr junge Menschen ihre Schule mit dem Zeugnis der Hochschulreife als noch 2003 – inklusive der doppelten Abiturienten-Jahrgänge nach der Schulzeitverkürzung. Zugleich nahmen aber 2008 nur etwa 2,5 Prozent mehr junge Frauen und Männer ein Studium auf als fünf Jahre zuvor. 27 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten äußerten 2008 die Absicht, auf ein Studium gänzlich zu verzichten.

Zu wenig für das Technik-Exportland

Die Entwicklung ist Wasser auf die Mühlen der OECD-Fachleute, die bei der Präsentation ihres weltweiten Bildungsberichts Deutschland trotz Krise zu mehr Bildungsinvestitionen aufforderten. Und obwohl es einige Verbesserungen gab, müsse Deutschland auch noch deutlich mehr Anstrengungen unternehmen, um mit seiner Hochschulausbildung Anschluss an die Entwicklung in den anderen wichtigen Industrienationen zu halten. Müßig ist dabei der Statistikerstreit, ob die Studierquote – das heißt der Anteil der Studienanfängerinnen und -anfänger am Altersjahrgang – derzeit 36,2 Prozent beträgt, wie die OECD nach internationalen Kriterien vorrechnet, oder bereits 39,3 Prozent, wie von deutscher Seite nach einem anderen Rechenverfahren dargestellt. Jedenfalls sind es aus Sicht fast aller Bildungsforscherinnen und -forscher für das Technik-Exportland Deutschland viel zu wenig. Im Schnitt der 30 wichtigsten Industrienationen nehmen inzwischen 56 Prozent eines Jahrganges ein Studium auf - deutlich mehr als in Deutschland. Und der internationale Trend zeigt weiter nach oben.

Bald droht Fachkräftemangel

Nicht nur die OECD-Bildungsforscherteams gehen davon aus, dass künftig auch in Deutschland neue Berufsbilder und Produktionsweisen mehr Akademikerinnen und Akademiker als bisher erforderlich machen. Alle Studien, die die Bundesregierung in den vergangenen vier Jahren in Auftrag gegeben hat, bestätigen diese These. Heute schon fehlen Ingenieurinnen und Ingenieure, Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler, Lehrerinnen und Lehrer, Medizinerinnen und Mediziner. Und in den nächsten fünf Jahren werden fast 500.000 Akademikerinnen und Akademiker altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden.

Altes Ritual

Es ist immer wieder das gleiche Ritual: Die OECD-Fachleute warnen Deutschland bei Vorlage ihres Jahresberichts vor einem Mangel an hochqualifizierten akademisch ausgebildeten Fachkräften, der Aufschwung und Wirtschaftswachstum bedrohen kann. Die deutsche Seite – vor allem Bildungspolitiker der CDU – reagiert verschnupft, weil die OECD das deutsche System der dualen Facharbeiterausbildung im Vergleich zum Hochschulstudium nicht gebührend würdigt. Mit einer Sonderauswertung weist die OECD die Kritik an ihren Studien zurück. Vergleiche man Einkommensvorteil und das Risiko von Arbeitslosigkeit, zeige sich, "dass die berufliche Ausbildung in Deutschland gegenüber vergleichbaren Ausbildungen im Ausland keine nennenswerten Vorteile bietet".

 
 
 
 

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