Redaktion/PM, 18.01.2010
Lage der Kinder: Mittelplatz für Deutschland
In der neuen UNICEF-Studie "Zur Lage der Kinder 2010" hat sich Deutschland im Vergleich zu 2007 leicht verbessert. Dringenden Handlungsbedarf sieht UNICEF hinsichtlich der Situation Alleinerziehender.

Deutschland auf Platz 8
Im Auftrag von UNICEF haben die Sozialwissenschaftler Hans Bertram und Steffen Kohl von der Humboldt-Universität Berlin das Wohlbefinden der Kinder in 21 Industrieländern anhand von sechs Dimensionen verglichen: materielles Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Bildung und Ausbildung, Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen, Verhaltensrisiken sowie subjektives Wohlbefinden. Im internationalen Vergleicht belegt Deutschland Platz acht und liegt damit im oberen Mittelfeld der untersuchten Länder, wenn es darum geht, eine gute Lebensumwelt für Kinder und Jugendliche zu schaffen. 2007 belegte Deutschland Platz elf von 21 Ländern. Verbessert hat sich Deutschland in den Dimensionen "Bildung", "Beziehungen zu Gleichaltrigen und Familie" sowie "Verhalten und Risiken". Den ersten Platz in der Untersuchung belegen wie auch schon 2007 die Niederlande.
Berufliche Zukunft erscheint düster
Dringenden Handlungsbedarf macht die Studie in Deutschland vor allem hinsichtlich der Situation allein erziehender Mütter und ihrer Kinder aus. Sie sind seit Jahren unverändert besonders stark von materieller Armut betroffen und "werden von der Politik bisher nicht erreicht", betonte Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Verbesserungen gibt es bei der schulischen Leistung beim Lesen, in Mathematik und den Naturwissenschaften. Als Besorgnis erregend aber werten die Autoren, dass in keinem anderen untersuchten Land Kinder und Jugendliche so pessimistsich in ihre berufliche Zukunft blicken: Ein Viertel glaubt, dass sie nach Ausbildungsende nur niedrigqualifizierte Arbeiten ausüben werden.
Glauben an sich selbst vermitteln
Bei den Verhaltensrisiken junger Menschen schneidet Deutschland insgesamt relativ gut ab. Direkte körperliche Auseinandersetzungen zwischen Kindern und Jugendlichen sind vergleichsweise selten. Allerdings berichtet jeder dritte junge Mensch – und damit überdurchschnittlich viele, dass er von anderen drangsaliert oder gemobbt wurde. Außerdem berichten Kinder und Jugendliche in Deutschland häufiger als junge Menschen in anderen Ländern davon, sich allein gelassen und als Außenseiter zu fühlen. "Erwachsene müssen Kindern den Glauben an sich selbst vermitteln, um sie auch für eine unsichere Zukunft zu stärken", erklärte Hans Bertram. In den USA komme bei den Jugendlichen - trotz ungünstigerer Bedingungen - die Botschaft "Du kannst es schaffen!" an. "In Deutschland vermitteln wir vor allem mögliche Gefahren. Nach dem Motto: ‚Pass auf, dass Du nicht scheiterst!'", so der Soziologe.
UNICEF: Kinderrechte ins Grundgesetz
Vor dem Hintergrund der neuen Studie appelliert UNICEF an die Politik, das Wohlbefinden und die Rechte der Kinder zum Maßstab der Entscheidungen zu machen und Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Politik, Medien und Forschung dürften Kinder nicht nur mit Blick auf ihre Leistungsfähigkeit beurteilen. Zudem müsse der Kampf gegen Kinderarmut verstärkt werden, vor allem Alleinerziehende bräuchen deutlich mehr Unterstützung, um der Armutsfalle entkommen zu können. Wichtig sei auch, die Gesundheit der Kinder mehr zu fördern, so UNICEF. Denn Übergewicht sei bei jungen Menschen ein wachsendes Problem. Bewegung und eine gesundene Ernährung müssen einen höheren Stellenwert erhalten; Medien, Politik und Elternhäuser sollten sich konsequenter gegen Rauchen und Alkoholkonsum positionieren.
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