Redaktion/PM, 04.08.2010
"Kein flächendeckender Personalnotstand"
Für den Ausbau der Krippenbetreuung bis 2013 wird Fachpersonal benötigt. Doch von einem "Erziehernotstand" kann man derzeit nicht sprechen und es gibt Wege dem Engpass entgegenzuwirken, zeigt eine Studie im Auftrag der "Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte" (WiFF).

Personalengpässen frühzeitig entgegenwirken
Ab dem Jahr 2013 haben Kinder ab ihrem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, so der Bundestagsbeschluss von 2008. Seitdem wird heftig darüber diskutiert, wie dieser Anspruch eingelöst werden kann und vor einem Fachkräftemangel gewarnt. Die WIFF-Studie "Droht ein Personalnotstand?" untersucht für die Jahre 2013, 2015 und 2017 die personellen Folgen des Krippenausbaus. Klar sei, so die Autoren Prof. Thomas Rauschenbach und Dr. Matthias Schilling: "Von einem flächendeckenden Personalnotstand kann keine Rede sein." Außerdem gebe es "vielfältige Möglichkeiten, Personalengpässen frühzeitig entgegenzuwirken."
9.000 Fachkräfte fehlen in Westdeutschland
Das Szenario 1 stellt den bis zum August 2013 anvisierten Betreuungsausbau dar, wonach sich bis dahin ein zusätzlicher Platzbedarf von rund 189.000 in Westdeutschland und rund 11.000 in Ostdeutschland ergibt. Stellt man dem nun die Ausbildungskapazitäten gegenüber, ergibt sich laut Studie ein Fehlbedarf von insgesamt fast 9.000 Fachkräften in westdeutschen Kindertageseinrichtungen, während in Ostdeutschland durchschnittlich ein leichter Personalüberhang zu erwarten ist. Der Krippenausbau werde daran nicht scheitern, betonen die Autoren, wenn die Länder ihre Ausbildungskapazitäten an Fachschulen und -akademien sowie in entsprechenden Hochschulstudiengängen entsprechend ausweiten.
Teilweise erhebliche Anstrengungen nötig
Allerdings sind die Verhältnisse in jedem Bundesland anders: Während Länder wie Bayern, Hamburg und Berlin kaum Probleme haben werden, rechnen Rauschenbach und Schilling damit, dass in Niedersachsen, Hessen, Saarland, Bremen, Schleswig-Holstein und Sachsen "erhebliche Anstrengungen notwendig sind." So müsste Niedersachsen seine frühpädagogischen Ausbildungskapazitäten fast verdoppeln und Hessen gar um 75 Prozent steigern.
Tagespflege könnte eigentliches Problem werden
Etwas anders sieht die Situation in der Kindertagespflege aus, wo die Sozialwissenschaftler einen "erheblichen zusätzlichen Bedarf" an Tagesmüttern und –vätern errechnet haben: "Bis 2013 müssten noch mindestens 32.000 Tagespflegepersonen gewonnen und zum größten Teil sicherlich auch noch qualifiziert werden." Das könnte sich als "die eigentliche Achillesferse" erweisen, warnen die Autoren und fordern deshalb gezielte Werbemaßnahmen zur Gewinnung von Tagespflegepersonen sowie eine bessere Bezahlung. Außerdem schlagen Rauschenbach und Schilling eine berufliche Ausbildung von Tagespflegepersonen vor, um so "die Qualität des Personals, die fachliche Identität, aber auch die berufliche Kontinuität zu erhöhen." Aber auch insgesamt – also in Krippe und Tagespflege – könne sich der Personalbedarf verschärfen, sofern die Nachfrage nach Plätzen für unter Dreijährige stärker ansteigt oder sich der Personalschlüssel im Zuge der Qualitätsoffensive verbessert.
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