Redaktion/PM, 21.10.2009
Kitapflicht bei schlechtem Deutsch?
Eine Kindergarten-Pflicht für Migrantenkinder mit schlechten Deutschkenntnissen hat der Migrationsforscher Klaus Bade im Interview mit der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen" vorgeschlagen.

Kostenlose Kitas und Ganztagsschulen
Damit Integration – insbesondere der zweiten und dritten Generation - von Einwanderern besser gelinge, müssten Bildung und Ausbildung gezielt verbessert werden. Der Kitabesuch sollte kostenlos sein und das pädagogische Personal besser qualifiziert werden, so Bade. In städtischen Problemzonen müssten Ganztagsschulen, an denen vor- und nachmittags hauptsächlich Deutsch gesprochen wird, das Regelschulangebot sein.
Kitapflicht bei schlechtem Sprachstand
Der Osnabrücker Wissenschaftler schlug zudem vor, den Kita-Besuch für alle Kinder zur Pflicht zu machen, "deren Eltern die bei der Sprachstandsmessung festgestellten Kenntnisse nicht selbst ausgleichen können, weil sie selber kein Deutsch sprechen oder die ihren Kindern keinen zureichenden Lernstand beibringen können, der einen reibungslosen Einstieg in die Grundschule ermöglicht". Wer sein Kind nicht hinschicke, solle kein Kindergeld erhalten und müsse unter Umständen mit Abstrichen bei anderen Sozialtransfers rechnen, "denn er bürdet der Gesellschaft die sozialen Folgekosten des eigenen Erziehungsversagen auf", sagte Bade.
Steiler Bildungsaufstieg
Grundsätzlich aber sieht der Migrationsforscher einen "Bildungsfortschritt" bei vielen Migrantinnen und Migranten. Beispielsweise hätten die aus ländlichen Milieus in Südostanatolien stammenden Grosseltern zu zwei Dritteln keinen Schulabschluss und zur Hälfte keinerlei Berufsausbildung gehabt. "Von ihren Enkeln haben heute 17 Prozent ein deutsches Abitur. Das ist ein steilerer Bildungsaufstieg als auf der deutschen Seite", betonte Bade.
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