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Dr. Imke Troltenier, 29.10.2008

Wie erkenne ich gender-faire Computerspiele?

Für eine systematische Beurteilung liefern die Antworten zu folgenden Leitfragen eine gute Grundlage. Sie bieten mit Daten und Fakten Anregungen für eine vertiefende und weiterführende Diskussion.

Soviel vorab: Barrieren sind niemals absolut!

Ein männlicher Protagonist (Hauptperson, Darsteller) wird nicht alle Mädchen davon abhalten ein Computerspiel anzuwenden und zu mögen. Aber die Latte - und darum geht es im Hinblick auf mehr Balance, Ausgewogenheit und Chancengleichheit - hängt dann ein klein wenig höher.

Die Summe der Erfahrungen ist entscheidend
Es ist die Gesamtbilanz an Rollenerfahrungen die dazu führt, dass Fähigkeiten und Kompetenzen nicht angenommen werden, dass die Freude am Lernen bei bestimmten Themen versiegt, sich individuelle Potentiale nicht voll entwickeln können.


 

Die Leitfragen betreffen fünf Dimensionen

1. Repräsentation
2. Rollenattribute und Rollenbilder
3. Themen und Inhalte
4. Soziale Interaktionen
5. Erwerb von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten

 

Leitfragen zu 1: Repräsentation

In welchem Verhätnis und mit welcher Gewichtung stehen männliche und weibliche Rollen zueinander?

•

Wer spielt die Hauptrolle? Welches Geschlecht hat/haben diese Identifikationsfigur/en?

•

Wen gibt es in den Nebenrollen? Welches Geschlecht haben sie?

•

Wie ist das Geschlechterverhältnis insgesamt?

Leitfragen zu 2: Rollenattribute und -bilder

•

Mit welchen Attributen sind die Rollen ausgestattet (Interessen, Fähigkeiten, Kompetenzen, ...)?

•

Formen sie stereotype Rollenbilder?

Anmerkung: Gemäß der stereotypen Rollenverteilung in unserer Gesellschaft entspricht es zum Beispiel dem weiblichen Klischee innerhalb des Hauses zu sorgen (Wohnung einrichten, dekorieren, kochen, waschen, bügeln, die Organisation innerhalb der Familie, Versorgung und Pflege ...) während es demgegenüber dem männlichen Klischee entspricht nach außen aktiv zu sein und für den häuslichen Rahmen Verantwortung zu tragen (Beruf, maßgeblicher Anteil am Familieneinkommen, Hausbau, Auto ...)

•

Stereotype Rollenbilder spiegeln bestehende Ungleichheiten. An ihnen festzuhalten würde bedeuten die Ungleichheiten zu reproduzieren. Gender Mainstreaming hat das Ziel Attribute so zu verändern, dass sich die Rollenspektren erweitern: Gibt es diese Ausnahmen? Wie ist das Verhältnis? Wird eine Vielfalt vorgelebt?

Leitfragen zu 3: Um welche Themen geht es?

•

Welche Inhalte werden thematisiert?

•

Knüpfen sie an Erfahrungswelten und Interessen an, die männlichen oder weiblichen Rollenklischees entsprechen?

•

Technik, Naturwissenschaft und Autorennen für die Jungs, Tiere, Babypflege und Mode für die Mädchen: Gibt es Ausnahmen von diesen Stereotypen?

Leitfragen zu 4: Soziale Interaktionen

•

Finden innerhalb des Spiels soziale Interaktionen zwischen den Geschlechtern statt?

•

Wie sind sie gestaltet?

Anmerkung: Gemäß der stereotypen Rollenverteilung in unserer Gesellschaft haben männliche Personen oft den aktiven Part inne (erklären, fragen, beschützen, verteidigen, bestimmen ...) während die weiblichen Akteurinnen passive Rollen einnehmen (hören zu, antworten, werden beschützt oder befreit ...)..

•

Sind die sozialen Interaktionen gebunden an Stereotype? Wird eine Geschlechtervielfalt demonstriert? Wie ist das Verhältnis?

Leitfragen zu 5: Erwerb von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten

•

Welche Themenbereiche sind für den Wissenserwerb aufbereitet?

•

Welche weiteren Fähigkeiten und Fertigkeiten können erworben werden?

•

Pädagogik und Didaktik, Art und Weise der Aufbereitung der Inhalte, Form und Qualität des Feedbacks ...: Entsprechen sie den Klischees männlicher oder weiblicher Vorlieben?

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