Redaktion/PM, 14.06.2010
Studie zu frühpädagogischen Ausbildungen
Derzeit werden in Deutschland fast 80 frühpädagogische Studiengänge angeboten, aus denen jährlich über 2.000 Absolventinnen und Absolventen hervorgehen. Das Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat die unterschiedlichen Angebote untersucht.

Mehrstufigkeit der Qualifikationen
Das Gutachten "Die frühpädagogische Ausbildungslandschaft" im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung nennt als wesentliches formales Charakteristikum der aktuellen Prozesse in der frühpädagogischen Aus-, Fort- und Weiterbildung die Erzeugung und Verstärkung von Mehrstufigkeit der Qualifikationen: Sie reicht von Fortbildungen für Kindertagespflege über berufliche Erstausbildungen zur Kinderpflegerin oder zur Sozialassistentin und Fachschulen für Sozialpädagogik bis hin zu Hochschulen. Die Studienangebote sind zudem differenziert nach Zertifikats-, Bachelor- und Masterprogrammen, grundständigen und berufsbegleitenden Angeboten sowie nach inhaltlichen Schwerpunktsetzungen.
Teilakademisierung des Berufsfeldes
Es gibt derzeit 67 im engeren Sinne frühpädagogische Studienangebote an Hochschulen. Rechnet man frühpädagogisch affine und Kita-Management-Studiengänge hinzu, gibt es 78 Angebote. Aus allen diesen Studiengängen gehen jährlich rund 2.200 Absolventinnen und Absolventen hervor. Da die Fachschulen für Sozialpädagogik den weitaus größeren Teil an Fachpersonal ausbilden, nämlich 16.600 Absolventinnen und Absolventen im Jahr, ist zumindest mittelfristig von einer Teilakademisierung des Berufsfeldes auszugehen.
Ein vergleichender Blick in die frühpädagogischen Ausbildungssysteme der europäischen Nachbarschaft zeigt einerseits, dass die Unterschiede zwischen den europäischen Staaten durchaus beträchtlich sind; andererseits weist die frühpädagogische Ausbildungslandschaft in Deutschland die komplette EU-Vielfalt auf.
Qualitätsimpulse durch Bachelor-Studiengänge
Die Autoren der HoF-Studie, Peer Pasternack und Henning Schulze, gehen davon aus, dass die entscheidenden Qualitätsimpulse für frühpädagogische Bildungs- und Erziehungstätigkeiten von den Bachelor-Studiengängen an Hochschulen ausgehen werden, weil deren Absolventinnen und Absolventen sowohl wissenschaftlich ausgebildet sind als auch zu einem relevanten Teil ihren beruflichen Einsatz in der frühpädagogischen Gruppenarbeit finden werden. Eher indirekte Wirkungen auf die Qualität der unmittelbaren Arbeit mit den Kindern werden von den Hochschulangeboten für Kita-Management (Bachelor) und denen der Master-Stufe ausgehen: über verbesserte Anleitung, Führung und Organisation, also Professionalitätssteigerung des Managements, sowie über intensivierte frühpädagogische Forschung, die mit der künftig erhöhten Anzahl an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern möglich wird.
Produktiver Wettbewerb
Laut Studien wird sich mittelfristig keine Verdrängungskonkurrenz zwischen Fach- und Hochschulen entwickeln. Dem steht die sich anbahnende Nachfragelücke nach Fachpersonal – insbesondere im Bereich für unter Dreijährige – entgegen. Stattdessen werde sich "eine produktive Wettbewerblichkeit zwischen den verschiedenen beteiligten Institutionen(typen) herausbilden", heißt es.
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