Redaktion/PM, 24.06.2010
Dritter Bildungsbericht erschienen
Der Bildungsbericht 2010 untersucht in seinem Schwerpunktkapitel, welche Herausforderungen sich durch den demografischen Wandel ergeben. Bildung müsse dauerhaft eine hohe politische Priorität behalten und die Finanzmittel müssten langfristig wenigstens auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben.

Viele positive Entwicklungen
Die zentralen Ergebnisse des Bildungsberichts lassen, so die Autorengruppe, "in vielerlei Hinsicht eine positive Entwicklung des Bildungswesens erkennen". Beispielhaft werden der weitere Ausbau der Krippenbetreuung und der Anstieg der Schulbesuchsquote auf dem Gymnasium sowie der Anzahl der Studienanfänger und der Hochschulabsolventen genannt. Außerdem ist der Anteil der Jugendlichen ohne Schulabschluss und die Zahl derer, die nach einem Schulabschluss zunächst keine Ausbildung beginnen können, zurückgegangen.
Bildungssituation von Migranten problematisch
Als Probleme im deutschen Bildungswesen benennt der Bericht, dass ein Drittel der Kinder mit Migrationshintergrund Kindergärten besuchen, in denen mehr als die Hälfte der Kinder zu Hause nicht Deutsch spricht. Außerdem besuchen Schüler mit Migrationshintergrund besonders häufig Förder- und Hauptschulen. Jugendliche ohne allgemeinbildenden Schulabschluss und mit Hauptschulabschluss haben große Schwierigkeiten, einen beruflichen Ausbildungsplatz zu finden – vor allem wenn sie einen Migrationshintergrund haben. Und fast jedes dritte Kind unter 18 Jahren wächst in einer sozialen oder finanziellen Risikolage oder in einem bildungsfernen Elternhaus auf.
Umbau des Bildungssystems steht an
Mit Blick auf den demografischen Wandel, stellt die Autorengruppe einen erheblichen Umbaubedarf des Bildungssystems in den nächsten Jahren fest. Erforderlich seien beispielsweise ein verstärkter Ausbau und die qualitative Verbesserung der frühkindlichen Bildung und der Betreuung der unter Dreijährigen. "Dies erhöht das Bildungspotenzial der Kinder und gibt ihren Eltern vermehrt die Möglichkeit, ihrem Erwerbswunsch zu folgen", heißt es. Im Schulwesen müssten die Anstrengungen zur Verbesserung der Förderangebote (beispielsweise über den weiteren Ausbau von Ganztagsschulen), zur Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen Schularten und Bildungsgängen und Maßnahmen der Qualitätssicherung fortgeführt werden. Nur so könnten die Ziele, den Anteil der Jugendlichen ohne Schulabschluss zu reduzieren und ein höheres Qualifikationsniveau der Absolventen, erreicht werden. Dringend sei auch die Nachqualifizierung der jungen Erwachsenen ohne Ausbildungsabschluss sowie mehr Personen zu einer Hochschulzugangsberechtigung und diese wiederum in höherem Maße als bisher zu einer Studienaufnahme und zum Hochschulabschluss zu führen.
Finanzmittel mindestens auf gegenwärtigem Niveau halten
Das Transformationspotenzial, das sich durch den demografischen Wandel ergibt, sei eine entscheidende Grundlage für die Bewältigung der Problemlagen und Herausforderungen im Bildungssystem, schreiben die Autoren. Weil in allen Bildungsbereichen erheblicher Zusatzbedarf für Maßnahmen der Qualitätsverbesserung schon lange auf der bildungspolitischen Tagesordnung stünden, sei es notwendig die finanziellen Ressourcen für Bildung langfristig wenigstens auf dem gegenwärtigen Niveau zu halten und für neue Aufgaben zusätzliche Mittel bereitzustellen. "Eine dauerhaft hohe politische Priorität für Bildung bei Bund, Ländern und Gemeinden ist die Voraussetzung, um diese Absichten umsetzen zu können", betonen die Autoren.
Umfassende Bestandsaufnahme
Mit "Bildung in Deutschland 2010" wird der dritte Bericht einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vorgelegt. Der Bericht stützt sich auf verschiedene Indikatoren und liefert eine umfassende Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens. Der Bildungsbericht 2010 widmet sich zudem in einer vertiefenden Analyse den Auswirkungen des demografischen Wandels auf das Bildungswesen.
Die Federführung des Berichts hat das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) inne. Die Mitglieder der Autorengruppe gehören außerdem folgenden Einrichtungen an: Deutsches Jugendinstitut (DJI), Hochschul-Informations-System (HIS), Soziologisches Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI), Statistisches Bundesamt (Destatis) und Statistische Landesämter (StLÄ).
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