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Redaktion/PM, 03.06.2010

Kinder in Deutschland 2010

Im Auftrag der Kinderhilfsorganisation "World Vision" wurden Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren in Deutschland zu ihrer Lebenssituation befragt. Dabei wurde deutlich, dass die Kluft zwischen arm und reich stetig zunimmt.

Kindern eine Stimme geben

Zum zweiten Mal wurden nun in Deutschland Kinder über ihre Lebenssituation und ihr Wohlbefinden im Rahmen der Kinderstudie von "World Vision Deutschland" befragt. Ziel der Studie sei es, auch den sechs- bis elfjährigen Kindern eine Stimme zu geben, ihnen zuzuhören, ihre Sichtweisen kennen zu lernen und daraus Handlungsempfehlungen für Politik und Gesellschaft abzuleiten, so Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland. Die große Mehrheit der Kinder ist demnach mit ihren Lebensverhältnissen von Familie bis Schule zufrieden und fühlt sich wohl. Doch gibt es auch Kinder, die für ihr Leben schon in sehr jungen Jahren keine Perspektive mehr sehen und sich in ihren Rechten beschnitten fühlen. So bilde sich in Deutschland eine Vier-Fünftel-Kindergesellschaft heraus – die Kinder aus dem benachteiligten unteren Fünftel sähen ihre Zukunft negativ, sagt Klaus Hurrelmann, einer der an der Studie beteiligten Wissenschaftler: "Es fehlt ihnen an Rückhalt, an Anregungen und an gezielter Förderung. In der Konsequenz ist der Alltag dieser Kinder bei einem größeren Teil einseitig auf Fernsehen oder auf sonstigen Medienkonsum ausgerichtet. Jungen seien hierfür besonders anfällig. Demgegenüber seien die Mädchen widerstandsfähiger und lernbereiter."


Armut grenzt aus

Die Studie zeigt außerdem, dass die traditionelle Rolle des allein verdienenden Ehemanns ausgedient hat. In den meisten Familien arbeiten beide Elternteile bzw. der alleinerziehende Elternteil. Letzteres führt in nicht seltenen Fällen zu Armut und darin sieht die Kinderforscherin Sabine Andresen ein Problem: "Wir machen uns große Sorgen um Kinder, die von alleinerziehenden Eltern aufgezogen werden. Sie werden in unserer Gesellschaft nach wie vor massiv benachteiligt. Armut wird von Kindern sehr konkret wahrgenommen und ist keine abstrakte Größe", betont Andresen. "Armut grenzt aus und dies erleben die Kinder auch so in ihrem Alltag." Klassische Risikofaktoren für ein Aufwachsen in Armut sind nach wie vor eine niedrige soziale Herkunftsschicht, ein alleinerziehendes Elternteil sowie fehlende Integration der Eltern in den Arbeitsmarkt. Bezieht man sich auf die Herkunft der Kinder, so wird deutlich, dass fast die Hälfte der Kinder der Unterschicht einen Migrationshintergrund hat: Schichtzugehörigkeit und Migrationshintergrund bedingen sich.

Mitmischen in den Familien

Eine große Mehrheit der Kinder äußerte sich positiv zu ihren Müttern und Vätern und lobten deren Bereitschaft, sie mitbestimmen zu lassen. Weniger zufrieden waren die Kinder mit der Gestaltung des Alltags in den Grundschulen. Dort möchten sie ebenso wie in den Familien mitgestalten, fühlen sich aber durch enge Vorgaben zu eingeschränkt.

Die "World Vision" Kinderstudie

Die Studie der Kinderhilfsorganisation erschien nach 2007 zum zweiten Mal. Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann und die Kindheitsforscherin Sabine Andresen befragten gemeinsam mit TNS Infratest Sozialforschung 2.500 Kinder von sechs bis elf Jahren in Deutschland zu ihrer Lebenssituation. Ziel der Studie ist es, Kindern ein Sprachrohr zu geben und sie im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention an Entscheidungsprozessen sinnvoll beteiligt werden.

 
 
 
 

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